Q. Wodurch unterscheidet sich die vom moorVMS-OXY gemessene Gewebesauerstoffsättigung von anderen Messwerten bzgl. Sauerstoffversorgung (SpO2, NIRS, tcpO2)?
A. Der moorVMS-OXY-SO2-Wert gibt die prozentuale Hämoglobin-Sauerstoffsättigung im Kapillar- und venösen Bereich der Gewebemikrozirkulation an und zeigt daher Änderungen von Sauerstoffangebot und –verbrauch direkt vor Ort im Gewebe an. Die Gewebesauerstoffsättigung ist im Allgemeinen niedriger als die arterielle Sauerstoffsättigung (SaO2) bzw. die Pulsoxymetrie-Sauerstoffsättigung (SpO2) und liegt eher im Bereich der venösen Sauerstoffsättigung (SvO2).
SpO2:
Die mittels Pulsoxymeter gemessene SpO2 ist das am häufigsten verwendete Maß für die Hämoglobin-Sauerstoffsättigung. Der Hauptunterschied zur SO2 besteht darin, dass die SpO2 auf den Unterschied in der Lichtweglänge während des Pulszyklus angewiesen ist, um die Sauerstoffsättigung zu berechnen, so dass nur die arterielle Sauerstoffsättigung gemessen wird. Dies gibt nützliche Hinweise auf die Lungenfunktion, aber keinerlei Informationen über die Sauerstoffversorgung im Gewebe bzw. über die Sauerstoffaufnahme von Organen, wie dies bei Messungen mit dem moorVMS-OXY der Fall ist. Weil die Messung mit dem Pulsoxymeter vom Hämoglobin-Pulsschlag in der Arterie abhängt, erfordert die SpO2-Messung im Gegensatz zur SO2-Bestimmung außerdem eine pulsierende Änderung durch den Herzschlag.
NIRS:
Die Gewebesauerstoffmessung mithilfe der Nahinfrarot-Spektroskopie (NIRS) liefert ebenfalls Werte für die lokale Hämoglobinsättigung an der Messstelle selbst. Sie unterscheidet sich von der SO2-Messung durch die Lichtquelle (weißes Licht bzw. Laserlicht), die Wellenlängenbereiche (sichtbarer Bereich bzw. Nahinfrarot-Bereich) und die Algorithmen, die zur Berechnung der Gewebesauerstoffsättigung eingesetzt werden. NIRS wurde in erster Linie zur Untersuchung tieferliegender Gewebe wie z.B. Muskeln und Gehirn entwickelt. Dagegen misst das moorVMS-OXY-System, das auf Spektroskopie mit sichtbarem Licht (visible light spectroscopy, VLS) beruht, die Sauerstoffsättigung in oberflächlichen Gewebsschichten. Außerdem ist das Hämoglobin-Absorptionssignal im sichtbaren Bereich viel stärker als im Nahinfrarot-Bereich, weswegen das VLS-Verfahren ein höheres Signal-zu-Rausch-Verhältnis und eine höhere Genauigkeit aufweist.
tcpO2:
Beim tcpO2-Verfahren wird der Sauerstoffpartialdruck transkutan gemessen. Hierbei kommt eine Elektrode zum Einsatz, die durch Erwärmung des darunter liegenden Gewebes eine lokale Hyperämie erzeugt. Das bedeutet, dass die transkutanen Messwerte die maximale Kapazität des örtlichen Gefäßsystems und Gewebes wiedergeben, Sauerstoff bereitzustellen und Kohlendioxid abzutransportieren. Daher liegt der tcpO2-Wert eher im Bereich der arteriellen Sauerstoffsättigung und ist kein Maß für die Sauerstoffsättigung im Gewebe unter Normalbedingungen, die mit dem moorVMS-OXY gemessen wird. Beim tcpO2-Verfahren muss das Hautgewebe für die Messung auf 40°C oder höher erwärmt werden; daher dauert es mehrere Minuten, bis der erste Messwert abgelesen werden kann, und das Verfahren eignet sich auch nicht für die Langzeitüberwachung. Im Vergleich hierzu ist das moorVMS-OXY-System eine nicht-invasive, viel schnellere und bequemere Methode zur Messung der Gewebesauerstoffversorgung. Außerdem kann das tcpO2-Verfahren aufgrund der relativ großen Abmessungen der Elektrode nicht zur Sauerstoffmessung bei inneren Organen oder in Kombination mit Laser-Doppler-Geräten zur Blutflussmessung an der selben Messstelle herangezogen werden.